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Interview: Olivier Trégoat, neuer Technischer Direktor der Weingüter DBR (Lafite) außerhalb von Bordeaux

Der 42-jährige Olivier Trégoat wurde zum neuen technischen Leiter der Weingüter DBR (Lafite) außerhalb von Bordeaux ernannt. Er ist ab sofort für die weinbaulichen Aktivitäten auf Domaine d’Aussières (Languedoc), Viña Los Vascos (Chile), Bodegas CARO (Argentinien) und Domaine de Penglaï in China verantwortlich.
Olivier Trégoat tritt die Nachfolge von Eric Kohler an, der seinerseits die Leitung der Bordelaiser Weingüter der Gruppe übernimmt.

Diese neue Funktion ist eine spannende Herausforderung für den leidenschaftlichen und faszinierenden Weinprofi, den wir Ihnen hier näher vorstellen möchten.

 

DBR (Lafite): Olivier Trégoat, im vergangenen Dezember wurden Sie offiziell von DBR (Lafite) zum neuen Technischen Direktor der internationalen Weingüter der Gruppe ernannt.
Können Sie uns Näheres über Ihren beruflichen Werdegang berichten?

Olivier Trégoat (OT): Ich bin diplomierter Agraringenieur und Önologe. Ich habe mich bereits sehr früh für die bordelaiser Region interessiert, da ich dort von 1999 bis 2002 meine Doktorarbeit über die Böden und den Untergrund der größten Weingüter der Region angefertigt habe. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts war ich in den Weinbergen des illustren „Club des 8“ tätig, mit dem die Grands Crus Château Ausone, Château Cheval Blanc, Château Haut-Brion, Château Latour, Château Margaux, Château Mouton-Rothschild, Pétrus und natürlich Château Lafite Rothschild bezeichnet werden.
Für meinen weiteren Werdegang war das eine wirklich wertvolle Erfahrung, da ich die Gelegenheit bekam, die Teams der Châteaux persönlich kennen zu lernen. Zu dieser Zeit lernte ich auch Eric Kohler kennen, der damals auf Château Lafite arbeitete.

 

DBR (Lafite): Sie begannen Ihre Karriere also im Bordelais. Aber gehen Ihre tatsächlichen Arbeitsbeziehungen mit der Gruppe DBR (Lafite) nicht eigentlich auf Ihre Zeit im Languedoc zurück?

 OT: Ja das stimmt. Ich hatte nämlich das Glück, dass sich mir durch meine Entscheidungen für mein Privatleben auch völlig neue berufliche Chancen eröffneten.
Nach Abschluss der bereits angesprochenen Bodenanalysen, die einen entscheidenden Schritt für meine berufliche Laufbahn darstellen, bin ich meiner Frau in das Languedoc gefolgt,  da sie dort ein berufliches Projekt hatte.
Ich war zunächst in einem önologischen Labor tätig, das in der Region sehr bekannt ist. Während der ersten fünf Jahren betreute ich die Weinbereitung von zahlreichen Weingütern und habe dabei sehr viel über die Region gelernt. Als Dienstleister arbeitet man nämlich sehr eng mit den Teams zusammen und setzt sich intensiv für die Lösung der sich ihnen stellenden Probleme ein. Da wir unter anderem auch die Domaine d’Aussières betreuten, erhielt ich erneut Kontakt zur Gruppe DBR (Lafite).

 

DBR (Lafite): Sie haben also zunächst als Berater für Domaine d’Aussières gearbeitet?

OT: Ja genau. Aufbauend auf meine Erfahrungen im Languedoc habe ich mich 2003 als unabhängiger Bodengutachter und Weinbauexperte selbständig gemacht. Meine Arbeit bestand darin, die weinbaulichen Praktiken eines Gutes auf der Grundlage einer gründlichen Analyse seiner Böden und seines weinbaulichen Potenzials zu orientieren.

Ich habe diese Gutachtertätigkeit ganze 12 Jahre lang bis zum letzten Jahr ausgeübt!
Eric Kohler nahm meine Dienste 2004 in Anspruch, als er nämlich zum Technischen Direktor von Domaine d’Aussières ernannt wurde. Wir kannten uns ja bereits aus seiner Zeit bei Lafite. Und da war es natürlich für uns beide besonders erfreulich, uns jetzt im Languedoc wiederzutreffen.
Die Gruppe DBR (Lafite) hatte das Weingut im Jahre 1999 erworben.  Sie wollte dieser Domäne zu einem neuen Start verhelfen, und die Teams standen voll dahinter. Ich fand diese Herausforderung extrem stimulierend, da ich sowie schon von dem Potenzial dieses Weinguts überzeugt war.
Für das Weingut war bereits 2004 ein groß angelegter Umstrukturierungsplan entworfen worden. Zwischen 2005 und 2006 habe ich daraufhin eine kartografische Erfassung der Böden und des Untergrundes von Aussières erstellt, um die Bemühungen um Qualität zu orientieren.
Die Qualität der Weine von Aussières ist heute wirklich sehr vielsprechend. Ich würde den Erstwein sogar als ausgezeichnet bezeichnen und hoffe, dass ich dazu ein wenig beigetragen habe!

 

DBR (Lafite): Demnach waren Sie also seit 2004 sozusagen „hinter den Kulissen“ der weinbaulichen Aktivitäten bei DBR (Lafite) tätig und deshalb weniger bei unseren Partnern bekannt?

OT: Ja, so könnte man es ausdrücken … aber um genau zu sein, muss erwähnt werden, dass ich hauptsächlich an Projekten zur internationalen Entwicklung gearbeitet habe. Während meiner Tätigkeit als Berater habe ich nicht nur im Languedoc und in Bordeaux gearbeitet, sondern auch im Ausland wie zum Beispiel in der Türkei, in Spanien und sogar in China. Dank dieser Erfahrung verfüge ich heute über ausgedehnte Kenntnisse aller möglichen Terroirs unter den verschiedensten klimatischen Bedingungen.
Als Eric Kohler dann 2009 zum Technischen Direktor der internationalen Weingüter der Gruppe ernannt wurde, beauftragte er mich mit einer ähnlichen Analyse und Kartografie-Arbeit wie in Aussières.

 

DBR (Lafite): Welche Projekte haben Sie denn gemeinsam mit Eric Kohler auf unseren Weingütern durchgeführt?

 OT: Die Arbeit in Viña Los Vascos war sehr ähnlich wie die Arbeit in Aussières. Sie war zum Großteil auf die Analyse des Wasserhaushalts fokussiert, da dies ein Kernproblem in heißen Klimazonen ist. Dabei konnte ich DBR durch meine Erfahrungen bei der Steuerung von Bewässerungssystemen unterstützen. Wir haben dort dann die Umstellung auf ein System zur Tröpfchenbewässerung vorbereitet. Außerdem haben wir zusätzliche Parzellen für die Erzeugung der Cuvée Grande Réserve erworben.
Auf dem Weingut Penglaï in China war ich sogar beim ersten Spatenstich und bei der Anlage der ersten Weinberge zugegen.

 

DBR (Lafite): Welche Ziele verfolgen Sie nun als Technischer Direktor bei DBR (Lafite)?

OT: Ich bin ein bodenständiger Mensch und habe im Laufe meiner Tätigkeit als Berater für DBR (Lafite) erkannt, dass wir die gleiche Philosophie teilen. Wir achten die Erde und das Klima und gehen bei der Auswahl der Weingüter, die wir fördern möchten, mit einer langfristigen Vision vor.
Ich werde also nichts revolutionieren, sondern vielmehr daran arbeiten, dass die von der Gruppe unter der Leitung von Christophe Salin begonnenen Bemühungen um Qualität fortgesetzt werden.
Es geht mir darum, die Arbeit von Eric Kohler und den Teams auf Aussières, Los Vascos, Bodegas CARO und Penglaï fortzusetzen. Das dortige Personal ist wirklich extrem motiviert.
In Los Vascos und Aussières ernten wir zur Zeit die Früchte der Arbeit der vergangenen zehn Jahre; wir werden uns jetzt aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.
In Penglaï sind wir gespannt, wie die kommenden Neuanpflanzungen verlaufen werden.
Und für Bodegas CARO haben wir gemeinsam mit der Familie Catena vielversprechende Projekte.