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Die Unterschiede zwischen Lafite und Duhart-Milon …

Interview mit Charles Chévallier, Technischer Direktor der Bordelaiser Domaines der DBR (Lafite)
und Régis Porfilet, Vineyard Manager der Châteaux Lafite Rothschild und Duhart-Milon

Die beiden Güter liegen geografisch sehr nah beieinander. Wie lassen sich da die Unterschiede zwischen den Weinen des Château Duhart-Milon und des Château Lafite Rothschild erklären?

Régis Porfilet (RP) –Vergleicht man lediglich die Verteilung und die Qualität der Böden, so erscheinen die beiden Güter sehr ähnlich. Hinzu kommt, dass wir auch noch seit über zehn Jahren die gleichen technischen Verfahren und dasselbe Team einsetzen! Die Unterschiede liegen darum eher bei anderen Merkmalen des Terroirs und im täglichen Ablauf in den Weinbergen. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Die Trauben auf Duhart-Milon reifen tendenziell etwas später als die auf Lafite.

Warum ist das so?

Charles Chevallier (CC) – Das nennt man Natur … Wir können versuchen, das zu verstehen, aber ändern können wir es nicht.
Es gibt sicher einen Unterschied bei der Sonnenbestrahlung der verschiedenen Lagen. Der Weinberg auf Lafite ist nach Süd-Südwest gerichtet, der auf Duhart-Milon stärker nach Nordwesten. Die Haupthänge bekommen die Sonne sogar ganz aus Richtung Westen.
Außerdem liegt Lafite näher am Fluss. Duhart-Milon dagegen liegt am Rande des Forêt des Landes. Und dann muss man auch noch die Tiefe des Bodens erwähnen: auf Lafite ist der nämlich tiefer als auf Duhart. Auf Lafite haben wir schon Wurzeln entdeckt, die bis in eine Tiefe von sieben Metern hinabreichen! Auf Duhart ist nach etwa vier Metern Schluss, was immerhin auch nicht schlecht ist.

Und außer dieser Unterschiede? Was würden Sie sagen, charakterisiert den Weinberg von Duhart-Milon?

RP – An erster Stelle hat er einen schönen kieshaltigen Boden und der Weinberg ist in jeder Hinsicht sehr homogen. Er besteht aus einer einzelnen Insel auf einem Hügel aus tief reichendem Kies von sehr hoher Qualität. Wenn man das Alter der Reben betrachtet, so ist es ebenfalls homogener als auf Lafite, da die meisten Weinstöcke 1963 neu gepflanzt wurden. Und man sollte auch wissen, dass es dort seit einigen Jahren nur noch zwei Rebsorten gibt, Cabernet Sauvignon (67%) und Merlot (33%).

Gibt es auch Unterschiede in der Art, wie die Weine auf Château Duhart-Milon und Château Lafite Rothschild hergestellt werden?

CC – Der Hauptunterschied liegt im Reifestadium: Die Weine auf Lafite bauen in 100% neuen Eichenfässern aus, während wir auf Duhart zur Hälfte neue Fässer und zur Hälfte einjährige Fässer verwenden, um die bestmögliche Ausgewogenheit der Tannine zu erreichen …

Wie würden Sie den Stil der Château Duhart-Milon-Weine im Vergleich zu denen des Château Lafite Rothschild beschreiben?

CC & RP – Lafite ist ein komplexer Wein, der sehr lang reifen kann, aber selbst als ganz junger Wein immer über eine gewisse Eleganz und Grazie am Gaumen verfügt.
Ein Duhart-Milon benötigt zum Erreichen der Trinkreife länger aufgrund seiner unwahrscheinlich harten Struktur. Dieser „historische“ Wesenszug hat in den letzten Jahren durch die Feinjustierung der im Weinberg und im Keller eingesetzten Verfahren etwas abgenommen, aber man muss immer noch fünf bis zehn Jahre abwarten, bevor man den Wein trinkt. Dann aber entwickelt er eine bemerkenswerte Balance aus Frische, Komplexität und Eleganz, die ganz ohne Zweifel die Nähe zu Lafite erkennen lässt.

Charles Chevallier et Régis Porfilet

Charles Chevallier et Régis Porfilet

Charles Chevallier