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Charles Chevallier stellt den Jahrgang 2011 vor

Im Weinjahr 2011 verlief der Vegetationszyklus deutlich schneller als gewohnt.

Der Vergleich mit dem Durchschnitt der vergangenen 60 Jahre lässt für Pauillac folgende Beobachtungen zu: 
– das Austreiben begann 9 Tage früher als gewohnt
– die Blüte begann 15 Tage früher als gewohnt
– die Beerenreife stellte sich 18 Tage früher als gewohnt ein.

Ein kompliziertes Jahr … für die Winzer: 
Von Januar bis März regnete es kaum.
Im April kam es zu ungewöhnlich geringen Regenfällen.
Der Morgentau, die insgesamt geringe Feuchtigkeit und die hohen Temperaturen stellten günstige Bedingungen für die Entwicklung von Mehltau dar, einer eher seltenen Rebenkrankheit im Bordelais. 
Der Falsche Mehltau, der sich vielfach zu einer wahren Plage entwickelt, fiel in diesem Jahr kaum ins Gewicht.

Es war wie verhext! Man musste ständig auf der Hut bleiben, denn diese Pilze können auch die erfahrensten Winzer aus dem Konzept bringen.

August und Anfang September waren durch unregelmäßige Niederschläge geprägt, mit erheblichen Unterschieden zwischen Pomerol, Sauternes und Pauillac.

Am ersten September, als die Weinlese bei herrlichem Sonnenschein in Rieussec beginnen sollte, kam eine Hiobsbotschaft aus Lafite: Ein furchtbarer Hagelsturm wütete an der Nordgrenze von Pauillac und in Saint Estèphe.

Nun galt es, schnell eine Entscheidung zu treffen. Der Cabernet Sauvignon der Parzelle wurde am 3. September „schnellstens eingebracht“ (eigentlich war die Lese für den 5. September geplant).

Von diesem Zeitpunkt an wurde nun in einer etwas ungewöhnlichen Reihenfolge an den verschiedenen Standorten das Rebgut geerntet, das dem schwelenden Druck vom Botrytis (Grauschimmel) entkommen und dank Mutter Natur letztlich doch zu einer schönen Reife gelangt war. Jegliche Verzögerung wäre unter diesen Voraussetzungen ein Spiel mit dem Feuer gewesen!

Nach einer hektischen Zeit bis Ende September profitierten nur die Weingärten von Rieussec von dem schönen Altweibersommer. Dort konnten die Beeren ihre goldgelbe Farbe und eine gewisse Edelfäule entwickeln, bevor sie am 2. November gelesen wurden.

So endete ein schwieriges Weinjahr.

Diese Weine, die wir jetzt verkosten können, sind paradoxerweise sehr vielversprechend … sie haben einen schönen fruchtigen Charakter mit angenehmer Säure und einem geringeren Alkoholgehalt, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war.

Charles Chevallier

13bis_le millésime 2011 vu par CC